
Factoring als Finanzierungsbaustein für den Mittelstand
von Hans-Dieter Dohmen
Das Working Capital - kurz: das Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten - ist ein wichtiger Indikator für die operative Leistungskraft eines Unternehmens. Weil dieser Teil des Umlaufvermögens nicht für die Deckung der kurzfristigen Verbindlichkeiten gebunden ist, kann er für Beschaffung, Produktion und Absatz arbeiten.
Darüber hinaus gibt das Working Capital vor allem Aufschluss über die Liquidität eines Unternehmens und dessen Expansionskraft. Es lohnt sich also, dem Management des Working Capital im Unternehmen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dazu ist ein intelligentes Forderungsmanagement unverzichtbar - und hier erweist sich Factoring gerade für den Mittelstand immer öfter als Mittel der Wahl.
Kapitalschonend // Ein Beispiel: Im Zuge der Neustrukturierung seiner gesamten Finanzierungsbeziehungen entschied ein großes mittelständisches Unternehmen aus dem Automotive-Sektor, dass Factoring dabei eine große Rolle spielen sollte. Zentrales Argument: Factoring soll neben den klassischen Bankkrediten als kapitalschonender und umsatzkongruenter Finanzierungsbaustein für das Working Capital dienen. Durch die so zusätzlich gewonnene Liquidität wird zudem die Skontierfähigkeit sichergestellt, was zusätzliche Erträge bedeutet.
Für eine solche Lösung bietet sich Factoring besonders dann an, wenn etwa die insgesamt benötigte Liquidität nicht vollständig durch Bankkredite gewonnen werden kann. Im Rahmen seines neuen Finanzierungskonzepts entschied sich das Unternehmen deshalb für eine reine Sparkassenlösung.
Als Teil der Sparkassengesamtlösung kam auf diesem Weg das stille Kooperations-Factoring der Deutschen Factoring Bank ins Spiel. Das bedeutet, der Ankauf der Forderung erfolgt ohne Information an den Debitoren: So entstand ein neues, zukunftsfähiges Finanzierungskonzept.
Einfaches Verfahren // So einfach wie das Prinzip ist auch das Factoring-Verfahren: Das Unternehmen veräußert kontinuierlich seine offenen Rechnungen an eine Factoring-Gesellschaft. Diese begleicht sofort einen Großteil des offenen Betrages (bis zu 90 Prozent), bevor der Schuldner bezahlt hat. Je nach Art der Zusammenarbeit kümmert sie sich auch um die Abrechung und Überwachung aller Zahlungseingänge. Zudem übernimmt der Factor mögliche Rechtsverfolgungs- und Inkassokosten sowie das Ausfallrisiko gegenüber dem Debitoren: Die Unternehmen bekommen ihr Geld selbst dann, wenn einer ihrer Schuldner in die Insolvenz geht.
Forderungen aus Inlands- und Exportgeschäften werden mit diesem Instrument sozusagen zu Bargeld. Die Chance, dadurch Liquiditäts- und Finanzstruktur zu verbessern sowie das Ausfallrisiko auszuschließen, erkennen auch in Deutschland immer mehr Unternehmen.
Ausfallschutz // Klassische Factoring-Nutzer sind mittelständische Unternehmen, deren spezielle Anforderungen dieses Instrument mit seinem modularen Aufbau in Finanzierung, Ausfallschutz und Forderungsmanagement besonders entgegenkommt.
So schafft Factoring als Ergänzung zum Kredit nicht nur Spielraum für erfolgreiche Wachstumsstrategien und Investitionen. Auch zur Finanzierung einer geordneten Unternehmensnachfolge oder im Rahmen eines Management-Buy-out oder Management-Buy-in kann es entscheidende Beiträge leisten.
Hans-Dieter Dohmen ist Leiter Vertrieb bei der Deutschen Factoring Bank.