
Für das Risikomanagement mittelständischer Firmen gewinnt der Forderungsverkauf zunehmend an Bedeutung. Factoring versichert in vollem Umfang gegen Kreditausfälle.
Von Dr. Karl-Joachim Lubitz
Seit Monaten schon leidet der Mittelstand unter den Folgen der Finanzkrise. Am Anfang entschieden sich die Banken für eine restriktivere Kreditpolitik, jetzt entziehen die großen Warenkreditversicherer Tausenden Firmen den Schutz. Prämienerhöhungen sind für deren Kunden in diesen Tagen fast die Regel – gleichzeitig fallen viele Abnehmer der versicherten Unternehmen aus der Deckung heraus.
Um so mehr nimmt das Finanzierungsinstrument Factoring eine wichtige Rolle im Risikomanagement von Unternehmen ein. Insbesondere eine immer schlechtere Zahlungsmoral hat Factoring schon in den vergangenen Jahren einen wahren Boom beschert. Der deutsche Factoring-Markt ist seit 2002 um durchschnittlich 23 % gewachsen. Die dem Deutschen Factoring-Verband angehörenden führenden 24 Institute haben 2008 die 100-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze angestrebt. Für die kommenden Jahre werden ähnlich hohe Steigerungsraten erwartet.
Die Konstruktion dieser Alternative im Finanzierungs-Mix ist einfach: Das Unternehmen veräußert kontinuierlich seine offenen Rechnungen an eine Factoring-Gesellschaft. Das Institut seinerseits begleicht sofort einen Großteil des offenen Betrages, bis zu 90 Prozent, bevor der Schuldner gezahlt hat. Und es kümmert sich um die Abrechnung und Überwachung aller Zahlungseingänge. Zudem versichert Factoring im Rahmen zuvor festgelegter Debitorenlimite in vollem Umfang gegen Kreditausfälle. Das Unternehmen bekommt sein Geld selbst dann, wenn eines seiner Schuldner in die Insolvenz geht. Dieser Aspekt ist insbesondere vor dem Hintergrund der erstmals seit dreieinhalb Jahren wieder ansteigenden Zahl von Firmenpleiten wichtig.
Eine Warenkreditversicherung übernimmt das Ausfallrisiko lediglich zu 70 bis 80 Prozent des zuvor eingeräumten Warenkreditlimits. Voraussetzung für die Auszahlung der Schadenssumme ist hier der gerichtliche Nachweis der Zahlungsunfähigkeit des Abnehmers – eine Voraussetzung, die beim Factoring entfällt.
Die Factoring-Gesellschaft – oder kurz der Factor - übernimmt neben dem Risiko bei Forderungsausfällen die permanente Überwachung der Debitoren. Da auch die Neukunden geprüft werden, bietet das Factoring dem Unternehmen die Sicherung eines soliden Kundenstamms. Eigene Erfahrungswerte fließen in die Limitzeichnung risikomindernd ein.
Eine weitere Auslagerung des Risikos ist auch im Bereich des Debitorenmanagements zu finden. Neben der Verwaltung der Forderungen sowie der Überwachung und Zuordnung von Zahlungseingängen kümmert sich der Factor um das Mahnwesen und das Inkasso.
Im Zuge der Risikokontrolle durch den Factor werden Signale für potenzielle Zahlungsschwierigkeiten auf der Abnehmerseite früh erkannt. Das Unternehmen kann entsprechend handeln und eine deutliche Verbesserung seiner Risikoposition erzielen.
Zudem erhöht das Factoring als Baustein des Finanzierungskonzeptes die Sicherheit in der Unternehmensplanung. Es sorgt somit für Liquidität, schützt vor Forderungsverlusten, schafft mehr finanzielle Unabhängigkeit und erleichtert die Finanzdisposition. Forderungen aus Inlands- und Exportgeschäften werden mit Factoring sozusagen zu Bargeld.
Mit den durch Factoring frei gewordenen Mitteln können Verbindlichkeiten, vor allem gegenüber Vorlieferanten, abgebaut und verstärkt Skonto- und Preisvorteile genutzt werden. Steigen die Forderungen infolge Mehrumsatzes, wächst die Factoring-Finanzierung automatisch mit. Durch den Forderungsverkauf erhöht sich zudem automatisch die Eigenkapitalquote – und dies mit positiven Auswirkungen auf das Bonitäts-Rating.
Zielgruppe der Factoring-Anbieter sind eindeutig mittelständische Unternehmen, deren speziellen Anforderungen die Finanzdienstleistung mit ihrem modularen Aufbau (Finanzierung, Ausfallschutz, Forderungsmanagement) besonders gerecht wird. Bedarfsgerechte Lösungen stehen im Vordergrund. Das Interesse an der Finanzierungsform Factoring wird deshalb weiter zunehmen – auch und gerade in Zeiten stürmischer Finanzmärkte.
Dr. Karl-Joachim Lubitz, Sprecher der Geschäftsführung der DEUTSCHEN FACTORING BANK in Bremen